Die Geschichte der Sauna
Schwitzbaden als Jahrhunderte alte Tradition
Das entspannende Schwitzbad im geschlossenen Raum trat seinen Siegeszug
seit dem zweiten Weltkrieg von Finnland aus in ganz Europa, später
in der ganzen Welt an. Dennoch ist das Saunieren keine finnische Erfindung.
Archäologische Befunde bestätigen die Existenz von Schwitzzelten
und Schwitzritualen im nordamerikanischen Raum und das noch bevor
Christopher Kolumbus den Kontinent betrat. Und auch in der griechischen
und römischen Antike erlebte diese Badekultur eine unvorstellbare Blüte.
So integrierten die Griechen in ihren Badeanlagen ebenfalls Heißluftbäder
und kühlten sich nachfolgend mit Wasser ab.Die Römer perfektionieren den Baderitus durch technische Verbesserungen des Beheizungssystems und Verglasung der Fenster. Die römischen Herrscher und Kaiser zeigten große Ambition, das öffentliche Schwitzbaden zu fördern und die Thermenanlagen mit luxuriöser Ausstattung zu beeindruckender Monumentalität auszubauen.
Es existierten im römischen Zeitalter zwei Formen des Schwitzbades, die sich allgemein durch die Art der Beheizung voneinander unterschieden. Im so genannten Laconicum wurde trocken-heiße Luft nach griechischem Vorbild durch ein Kohlebecken in der Raummitte erzeugt. Gemäßigtere Hitzeeinwirkung herrschte dagegen im überkuppelten Sudacorium , welches indirekt über eine im Raum integrierte Fußbodenheizung, der Hypokaustenheizung, beheizt wurde. Den Abschluss des Baderitus bildete in der römischen Antike der Aufenthalt im kühlen Frigidarium.
Nach dem Untergang des Römischen Reiches fand die Tradition des Schwitzbadens
teilweise im islamischen Raum Fortsetzung, wurde im Okzident aber auch wieder zu Beginn des Mittelalters entdeckt. Zu dieser Zeit wurden hölzerne Räume mit Steinöfen beheizt, die als Badestuben bezeichnet wurden. In diesem Zusammenhang leitet sich auch das Wort Stube von Stieben, also dem Verdampfen von Wasser ab. Seine eigentliche Verbreitung erlebte das Badestubenwesen jedoch erst mit der Entwicklung moderner Siedlungsformen. In den entstehenden Dörfern und Städten etablierten sich die Badestuben als beliebte Orte der körperlichen Reinigung und des geselligen Zusammentreffens. Den Niedergang des öffentlichen Badestubewesens leiteten jedoch bald die Verbreitung von Infektionskrankheiten durch unhygienische Verhältnisse und die Missbilligung des mächtigen Klerus ein, welcher die halbnackten Zustände in den Badestuben nicht tolerieren wollte. Während die einst beliebten Badestuben um 1700 im deutschen Raum nahezu verschwunden waren, blieb diese Badetradition in Finnland und Nordrussland bis heute erhalten.
Erst in den 1930er Jahren wurde in Deutschland der Versuch gewagt, das Saunawesen als eine Mischung zwischen römischer Schwitzbadtradition und finnischen Saunawesen erneut zu etablieren. Die aufwändigen Anlagen, die aus mehreren Warm- und Heißlufträumen bestanden, waren jedoch zu teuer und konnten sich nicht durchsetzen.
Erst als im Jahr 1936 zu den Olympischen Spielen in Berlin ein Saunahaus auf Wunsch der finnischen Sportler errichtet wurde, berichteten deutsche Zeitungen detailliert über das Phänomen Sauna. Im Zuge dieser neu entstanden Popularität wurde die medizinische Wirkung der Sauna auch von wissenschaftlicher Seite untersucht und bestätigt.
Den finalen Durchbruch erlebte das Saunabaden jedoch erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, als zurückkehrende deutsche Soldaten das Saunabaden im finnischen Ausland kennen gelernt hatten und sich nicht selten als Saunabetreiber selbständig machten. Im Gegensatz zu Finnland, wo die Sauna meistens privat genossen wird und im eigenen Heim eingebaut ist, setzte sich in Deutschland zunächst nur das öffentliche Saunabad durch.
Heutzutage ist das Saunieren für viele Deutsche zu einem äußerst beliebten Bestandteil der körperlichen Erholung und Entspannung erwachsen, auf das man selbst im eigenen Zuhause nicht mehr verzichten will.
So hat sich die Zahl der Saunabesucher in Deutschland zwischen den späten 1980er und 1990er Jahren um nahezu 120 Prozent vergrößert und steigt auch gegenwärtig weiter an.
